Timberland's American & French Bulldog

Rassehund oder „Mischling“ kaufen?

 

Rassetiere werden nach einem festgelegten Rassestandard gezüchtet. Beim Kauf eines Rassetieres vom organisierten Züchter können Sie erwarten, dass Ihr tierischer Familienzuwachs die Merkmale seiner Rasse trägt. Er wird also eine bestimmte Größe erreichen, ein vorhersehbares Aussehen besitzen und dem rassetypischen Charakter nahe kommen. Gut informierte Käufer wissen demnach, was beim Kauf eines Rasse- Jungtieres auf sie zukommt.

 

Kleine Abweichungen vom Standard sind normal und zu tolerieren. Es gibt nicht DAS perfekte Tier. Stärkere Abweichungen vom Rassestandard, zum Beispiel zuchtausschließende Mängel, sollten Ihnen beim Kauf genannt und im Kaufvertrag dokumentiert werden. Meist werden sich solche Mängel, wie zum Beispiel fehlende Zähne in einem Hundegebiss, preismindernd auswirken. In jedem Fall muss aber die Rasse des betreffenden Tieres eindeutig erkennbar sein. Ist das nicht der Fall, haben Sie es mit ziemlicher Sicherheit mit einem "Mischling" zu tun.

Mischlinge entstehen aus Verpaarungen von Tieren unterschiedlicher Rassen oder wiederum von Mischlingen untereinander. Im seltensten Falle sind Mischlingstiere erwünschter Nachwuchs, da sie sich auf Grund der verschiedenen Risiken nur schlecht verkaufen oder verschenken lassen.

Man kann von einem Mischlingswelpen nie mit Bestimmtheit sagen, welche Größe, welches Aussehen und welchen Charakter er später haben wird. Wer dieses Risiko akzeptiert, kann an einem Mischling viel Freude haben. Manchmal sind die Ausgangsrassen beider Eltern bekannt, was zumindest einige Merkmale berechenbarer macht.

 

Mischlinge als neue Rassen?

 

Achtung, zu den unabwägbaren künftigen Eigenschaften des Mischlings kommen weitere Risiken hinzu. Es gibt „Züchter“, denen eine ungewollte Verpaarung merkwürdig oft wiederfährt. Da werden dann Rassehunde verschiedener Rassen gezielt miteinander verpaart, im schlimmsten Fall sogar als neue „Rasse“ angeboten. Von den sehr seltenen Enthusiasten einmal abgesehen, die tatsächlich Schöpfer einer neuen Rasse werden wollen, haben Sie es hier mit „Vermehrern“ der übelsten Sorte zu tun, denn die "Neuzüchtungen" haben natürlich ihren Preis. Die Aufzucht dieser Tierchen geschieht oft nach der Billigmethode- billigstes Futter, keine tierärztliche Versorgung, katastrophale Haltungsbedingungen und wenig Zuwendung, da ja hier die Masse das Geld bringen muss. Mit einem solchen Tier werden Sie wenig Freude aber viele Kosten haben, denn Ihre ersten Wege führen vermutlich zum Tierarzt oder zum Tierpsychologen.

Um auch an einem Mischling Freude zu haben, sollten Sie einige Mindestanforderungen stellen. Wenn diese nicht erfüllt sind, nehmen sie besser Abstand, selbst wenn Ihnen das Tier am Ende geschenkt wird, weil es aus einer ungewollten Verpaarung stammt.

 

Die kluge Auswahl von Mischlingen

 

Bei der Anschaffung eines Mischlings steht Ihnen kein helfender Zuchtverband zur Seite, der für die Einhaltung von sinnvollen Zuchtregeln sorgt. So müssen Sie sich selbst vergewissern, ob das Tier gut aufgezogen wurde und von gesunden Eltern stammt. Wenn Sie also Freude an Ihrem neuen Hausgenossen haben wollen, beschäftigen Sie sich zunächst ausführlich mit den angebotenen Jungtieren selbst. Sie sollten aufgeschlossen und zutraulich sein. Ein wenig Misstrauen am Anfang ist unbedenklich, wenn es sich im Laufe der Beschäftigung miteinander mehr und mehr legt. Denn genau wie wir Menschen sind auch Tiere charakterlich unterschiedlich und es ist nicht gesagt, dass der anfangs etwas Vorsichtige in freier Natur schlechtere Chancen zum Überleben hätte. Ganz im Gegenteil. Reserviertes Verhalten unterscheidet sich aber deutlich vom Verhalten eines misshandelten Tieres, welches Sie auf keinen Fall erwerben sollten. Auch nicht aus Mitleid! Die Welpen oder Jungtiere sollten arttypische Körperformen und einen guten Ernährungszustand haben. Parasitenbefall, struppiges dünnes Haarkleid, Knochendeformationen oder extremer Kleinwuchs sollten Sie vom Kauf abhalten.

 

Sehen Sie sich danach die Elterntiere oder zumindest das Muttertier genau an und achten Sie ebenso auf deren Verhalten und Konstitution. Ängstliche Tiere in einem schlechten Ernährungs- und Pflegezustand haben auch keinen gesunden, gut gepflegten und selbstbewussten Nachwuchs, an dem man seine Freude hat.

Erfragen Sie dann beim Besitzer der Jungtiere alle wichtigen Details. Die Impfungen und Entwurmungen müssen stimmen. Zu den Impfungen sollte Ihnen ein gültiger Impfausweis ausgehändigt werden. Lassen Sie sich die Entwurmungsmittel und das Futter zeigen. Der Züchter der Tiere sollte auch ein Mindestmaß an züchterischem Sachverstand mitbringen, was Sie im Gespräch sicher merken. Für die Jungtiere und deren Eltern müssen geeignete, hygienisch einwandfreie Haltungs- und Aufzuchtverhältnisse sowie Zeit für die Prägung der Welpen vorhanden sein. Diese Anforderungen sollten Sie freilich auch an einen organisierten Züchter stellen. Da sorgt allerdings schon der Zuchtverband für eine Einhaltung der Standards zum Wohle der Rasse.

 

Viele Leute sind mit einem Tier aus einer ungewollten Mischlingsverpaarung schon glücklich geworden. Natürlich ist das Risiko eines Fehlgriffs groß. Das ist der „Preis“ einer preiswerten Anschaffung.

 

Ungeplante Verpaarungen rassereiner Tiere

 

Mitunter werden den Interessenten rassereine Welpen aus ungewollten Verpaarungen angeboten. Hier sind die Elterntiere im unpassendsten Augenblick aus der Obhut des Züchters entwischt und haben die Zuchtplanung quasi selbst übernommen. Das kann vorkommen und die Eltern können durchaus zwei zuchttaugliche Rassetiere sein. Doch solche Vorkommnisse sind für den betreffenden Züchter nicht nur sehr ärgerlich und nachteilig. In der Regel hatte er andere Zuchtpläne, die er nun lange Zeit verschieben muss. Ungeplante Verpaarungen können zudem Sanktionen des entsprechenden Zuchtverbandes nach sich ziehen. Der Nachwuchs bekommt oft keine Abstammungspapiere.

 

Man kann mit Tieren aus solchen Verpaarungen insofern Glück haben, dass der betroffene Züchter die Kleinen genauso vorbildlich aufzieht, wie geplanten Nachwuchs. Da die Kontrolle des Zuchtverbandes in diesem Falle fehlt, heißt es für Sie wieder doppelt aufmerksam zu sein.

 

Diese Aufmerksamkeit ist aus einem weiteren wichtigen Grund nötig. Teilweise werden vollkommen bewusst geplante Verpaarungen als ungewollte Verpaarungen "getarnt".

 

Tiere kaufen- mit oder ohne Papiere?

 

Bei vielen Tierarten, wie z.B. Hunden, Katzen und Pferden, hat man die Auswahl zwischen Jungtieren mit oder ohne „Papiere“. Damit sind die Ahnentafeln bzw. Abstammungsnachweise oder Stammbäume der Tiere gemeint. Als Hundezüchterin stellt man mir recht oft die Frage, ob auch Welpen ohne Papiere zu haben sind. Die seien schließlich viel billiger und man wolle ja nicht züchten und ausstellen, sondern nur einen Hund zum Liebhaben kaufen. Züchter anderer Tierarten teilen meine Erfahrungen sicher. Viele Käufer denken, es handele sich dabei um eine reine Prestigefrage. Papiere zum „Angeben“. Doch das ist ein verhängnisvoller Irrtum.

Meine klare Antwort zu Rassetieren ohne Papiere lautet: Nein!

 

Züchter, sofern man sie denn so nennen möchte, die mit Rassetieren Würfe ohne Abstammungspapiere züchten, haben dafür handfeste Gründe. Diese sollen hier zur Sprache kommen, so dass Ihnen ein Reinfall beim Kauf erspart bleibt.

Voraussetzungen des Tieres für die Ausstellung von Abstammungspapieren

Die Abstammungspapiere dokumentieren eine lückenlose Reihe von Vorfahren. Die Ahnen des Tieres wurden allesamt von ausgebildeten Spezialisten, den so genannten Zuchtrichtern oder von einer Körkommission für zuchttauglich befunden. Das heißt, die Anatomie und das Wesen dieser Tiere lassen darauf schließen, dass sie der Aufzucht von Jungen gewachsen sind und ihre guten Eigenschaften an ihre Nachkommen weitergeben werden. Als Beurteilungskriterium dient der Rassestandard der jeweiligen Rasse. Um diese Beurteilung zu bekommen, müssen die Tiere zu einer Zuchtprüfung oder Körung gebracht werden und teilweise vorher schon diverse Vorbereitungen absolviert haben. Dazu gehören oft Gesundheitsuntersuchungen und zum Teil auch genetische Tests. Manchmal sind vor der Zuchtprüfung mehrere Ausstellungen (Zuchtschauen) erfolgreich zu absolvieren oder Leistungsprüfungen zu bestehen. Tiere, die trotz Zuchttauglichkeit grobe Erbfehler an ihren Nachwuchs vererben, werden nachträglich von der Zucht ausgeschlossen.

 

Aus den Abstammungspapieren gehen in der Regel folgende Angaben hervor:

 

• Rasse und Geschlecht des Tieres

• Name des Tieres

• Geburtsdatum

• Anzahl der Geschwister

• äußere Merkmale, wie z.B. Farbschlag und Haarart

• Tätowiernummer, Chipnummer oder anderes fälschungssicheres Kennzeichen

• Zuchtbuchnummer des Zuchtverbandes

• Vorfahren des Tieres, gegliedert in 3 bis 5 Generationen, einschließlich deren erworbene Titel, Prüfungen und Resultate klinischer Tests

• Befunde von Gentests und klinischen Untersuchungen am Tier, die zur Vermeidung von Erbkrankheiten durchgeführt werden

• Ergebnisse von Leistungsprüfungen, Zuchtprüfungen und Körungen

• Titel von Zuchtschauen

• Adresse des Züchters

• Adresse des Zuchtverbandes

• Adresse des Käufers

Woran erkennt man die Echtheit von Abstammungspapieren?

• hochwertiges Papier (keine PC- Ausdrucke oder Kopien, sondern sauber bedrucktes, starkes Originalpapier des Zuchtverbandes

• Logo des Zuchtverbandes oder Wasserzeichen

• Ausstellungsdatum und Unterschrift des Zuchtbuchführers des jeweiligen Zuchtverbandes

• sauber und deutlich gesetzter Stempel des Zuchtvereins oder ein entsprechendes Siegel

• Unterschrift des Züchters

 

Zweifel an der Echtheit von Abstammungspapieren?

 

Bei Zweifeln an der Echtheit fragen Sie beim Zuchtverband nach, der die Papiere ausgestellt haben soll. Nehmen Sie vom Kauf des Tieres Abstand, wenn sich die Angelegenheit nicht eindeutig klärt.

 

In einigen Zuchtverbänden ist es üblich, dass die Ausstellung der Abstammungspapiere einige Wochen oder Monate in Anspruch nimmt, da die zahlreichen Angaben und Protokolle erst erfasst und überprüft werden müssen. In diesem Fall lassen Sie sich die Abstammungspapiere der Elterntiere und deren Zuchtprüfungsergebnisse zeigen. Außerdem sollte im Kaufvertrag festgehalten werden, dass die Abstammungspapiere vom Züchter nachgereicht werden müssen. Dabei sollte unbedingt der Zuchtverband erwähnt werden, der die Papiere ausstellt. Im Betrugsfall hätten Sie dann eine gute Beweislage.

 

Außerdem können Sie z.B. bei Hundezüchtern in die Wurfabnahmeprotokolle Einsicht nehmen. Das ist insofern schon sehr interessant, da Sie darin das Urteil eines Spezialisten über den Wurf lesen können. Die Aufzuchtbedingungen und der Pflegezustand der übrigen Tiere kommen ebenfalls zur Sprache. Das kann recht aufschlussreich sein.

Außer dem Tier selbst und seinen Vorfahren, muss auch der Züchter etliche Bedingungen erfüllen, um die Abstammungspapiere vom Zuchtverband ausgehändigt zu bekommen.

 

Zuchtvoraussetzungen für organisierte Züchter

 

Abstammungspapiere werden nur dem Züchter für seine Tiere ausgehändigt, der vor einem Rassespezialisten oder Zuchtwart seine züchterischen Kenntnisse unter Beweis stellen konnte. Diese kann er zum Beispiel auf Züchterschulungen erwerben. Ferner werden schon vor dem ersten Zuchteinsatz von fachlich kompetentem Personal die räumlichen und Umgebungsbedingungen für die Aufzucht geprüft. Züchter, deren Zuchtstätte festgeschriebene Standards hinsichtlich Größe, Auslauf, baulicher Substanz, Lichteinfall, Hygiene, evt. Heizung, Wasser etc. nicht erfüllen, erhalten keine Zuchterlaubnis. Zudem muss genügend Zeit für die Aufzucht der Jungtiere vorhanden sein.

 

Vom Sinn der Zuchtverbände

 

Einige Leser werden nun sagen, dass es ihnen völlig gleich ist, ob die Eltern superschön und zuchttauglich waren und die Jungtiere aus einer geprüften Umgebung stammen. Sie wollen ja selbst nicht züchten und kleine Schönheitsfehler sind doch wirklich kein Problem. An einem praktischen Beispiel, das aus dem Zuchtleben gegriffen sein könnte, möchte ich Ihnen erläutern, warum Sie als Liebhaber diese Fragen doch interessieren werden.

 

Angenommen, ein Zuchtverband stellt in seinen Statistiken fest, dass plötzlich mehrere Tiere einer Rasse an einer erblichen Knochenerkrankung leiden. Den Tieren verursacht die Erkrankung viel Leid, einige müssen wegen ihrer aussichtslosen Lage sogar eingeschläfert werden. Andere quälen sich Zeit ihres Lebens mit irreparablen Deformationen und Schmerzen. Die Besitzer werden die besten Kunden ihres Tierarztes.

 

Beim ersten vermehrten Auftreten solcher Probleme greifen Zuchtverbände in das Zuchtgeschehen ein. Der verantwortliche Zuchtverband wird alle Maßnahmen in die Wege leiten, die Ursprünge der Erkrankung herauszufinden und die „Vererber“ dieser Krankheit aus der Zucht auszuschließen. Unter Umständen müssen z.B. alle Tiere einer Rasse auf diese Knochenkrankheit hin untersucht werden, bevor sie in die Zucht gelangen. Belastete Tiere scheiden aus dem Zuchtgeschehen aus. Das verbessert die Prognose der gesamten Rasse erheblich, wenngleich sich die Auswirkungen der Zuchtmaßnahmen nicht von heute auf morgen einstellen. Entscheidend ist, dass wirksame Maßnahmen getroffen werden, die im Ergebnis jeden einzelnen Besitzer eines Tieres dieser Rasse betreffen. Spätestens bei solchen sehr lebensnahen Fragen wird die Herkunft eines Tieres, also mit oder ohne Papiere, sehr entscheidend für sein weiteres Leben. Denn genau hier scheiden sich die Geister der Züchter „mit und ohne Papiere“.

 

Warum?

 

Für jeden Züchter ist es sehr schmerzvoll und zusätzlich ein erheblicher finanzieller Nachteil, die von ihm aufgezogenen Tiere nicht für die Zucht verwenden zu dürfen, weil sie erbliche Defekte oder Wesensmängel aufweisen. Ein in einem Klub oder Rasseverband organisierter Züchter, der also „mit Papieren“ züchtet, wird sich diesen Zuchtmaßnahmen aus Einsicht in die Notwendigkeit trotzdem beugen. Deswegen ist er natürlich noch kein vollkommen altruistischer Mensch. Aber er stellt in dem Moment seine persönlichen Interessen hinter die der jeweiligen Rasse, zum Wohle jedes einzelnen Tieres. Damit übernimmt er Verantwortung und schafft sichtbaren Nutzen in Form von Tieren, für deren Gesundheit und Wesensfestigkeit alles getan wurde und an denen künftige Besitzer ihre Freude haben. Und das wollen doch wohl auch alle „Liebhaber- Halter“ eines Tieres, oder?

Mit Sicherheit gibt es auch ein Züchter „ohne Papiere“, die sich um die guten Eigenschaften ihres Nachwuchses bemühen. Mir ist allerdings noch keiner darunter begegnet, der nur annähernd denselben Zuchtaufwand betreibt, um dieses Ziel zu erreichen. Dafür gibt es etliche Beispiele, wo die Haltungsbedingungen für Tiere ohne Papiere haarsträubend sind und mit Tieren gezüchtet wird, die den oben geschilderten Grundvoraussetzungen hinsichtlich Anatomie, Wesen und Vererbung eben nicht genügen. Entsprechend fällt dann der Nachwuchs aus. Der Spruch „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, bewahrheitet sich in diesem Beispiel einmal mehr.

 

Zuchtvereine kontrollieren die Art der Verpaarungen (Gefahr von Inzucht, Erbfehlern etc.), die Qualität des Nachwuchses und natürlich die Aufzuchtbedingungen direkt vor Ort. Impfungen, Entwurmungen und weitere Vorsorgemaßnahmen müssen regelmäßig erfolgt sein. Über all das wird bei der Vorort- Kontrolle Protokoll geführt, in das potenzielle Käufer auf Wunsch Einsicht nehmen können. Viele Züchter geben diese Protokolle sogar in Kopie ihren Käufern mit.

„Züchter ohne Papiere“ bieten ihren Nachwuchs sehr billig an und argumentieren damit, dass sie dem Zuchtverein doch nicht das Geld hinterher werfen wollen. Sie würden so lieber günstigen Nachwuchs anbieten.

 

Jeder einzelne dieser Pflichtpunkte dient nicht der Schikane und Kontrolle des organisierten Züchters, sondern hat gesunden, anatomisch einwandfreien und wesenstarken Nachwuchs zum Ziel. Nur in einem erstklassigen Umfeld können sich Jungtiere wunschgemäß entwickeln. Allein der Einsatz gesunder, anatomisch einwandfreier Eltern lässt auf ebensolchen Nachwuchs hoffen. Gut geschulte Züchter sind in der Lage, die Jungtiere so aufzuziehen und zu sozialisieren, wie sie es für ihr künftiges Leben brauchen. Alle diese Pflichten sind für den organisierten Züchter mit einem enormen Aufwand an Zeit und Geld verbunden. Es ist ihm nicht möglich, seinen Nachwuchs zum Schnäppchenpreis zu vergeben. Selbstverständlich können Sie auch mit einem Tier vom organisierten Züchter Pech haben, denn wir haben hier mit Lebewesen zu tun. Dabei läuft nicht immer alles auf dem gut geplanten Weg. Aber dieser Fall wird wesentlich seltener eintreten.

 

Nicht organisierte Züchter, die annähernd den gleichen Aufwand betreiben wollen, stellen schnell fest, dass sie dann ihre Preise nach oben anpassen müssten. Dann wiederum fehlen die Abnehmer. Also wird gespart- an welchen Punkten auch immer. Oder aber die Quantität der Jungtiere muss es bringen. Aber unzureichende Elterntiere und schlecht versorgte Jungtiere sind nun mal die ersten Kandidaten für eine lange Tierarztrechnung oder den Tierpsychologen. Ihr Schnäppchen könnte am Ende sehr teuer werde!

 

Es gibt eine Ausnahme, die zumindest zeitweilig eine Zucht ohne Papiere rechtfertigt: Der Erhalt alter, sehr seltener Rassen. Einige Züchter haben sich dieser schwierigen Aufgabe verschrieben und scheuen weder Mühe noch Kosten, um solche Tierrassen vor dem Aussterben zu bewahren. Oft ist es ein langer Weg, bis die Zuchtpopulation wieder so zahlreich und vielfältig ist, dass ein Zuchtverband die Rasse offiziell anerkennt und ins Zuchtbuch aufnimmt. Mit Sicherheit kann Ihnen ein Züchter solcher Rassen sehr viel über seine Bemühungen berichten und evt. alte Dokumente, Bücher etc. zur Rasse vorweisen. Er wird Sie vielleicht sogar davon überzeugen wollen, Ihr Tier zur Zucht zur Verfügung zu stellen, eben weil es so schwierig ist, eine breite Zuchtpopulation aufzubauen. Natürlich gibt es auch neue Rasse- Neuschöpfungen. Doch damit sollten Sie sehr vorsichtig sein. Viele dieser "neue Rassen" sind nichts anderes als geplante oder ungeplante Mischlingsverpaarungen. Hier werden Ihnen mit schönen Worten und zu teilweise horrenden Preisen Tiere verkauft, die keineswegs planmäßig gezüchtet wurden.

Ihnen wird nun klar geworden sein, dass es bei Züchtern ohne Papiere in der Regel nicht nur darum geht, die Klubkosten zu sparen, sondern man will sich einfach sehr viele notwendige Aufwendungen, sei es Zeit, Arbeit oder Geld, sparen und sich nicht dem strengen, sinnvollen Reglement eines Klubs unterwerfen.

 

Holen wir ein Tier aus dem Tierheim?

 

Es ist ein guter Gedanke, ein Tier aus dem Tierheim oder einer Notfallstation bei sich aufzunehmen und ihm damit eine echte Chance auf einen familiären Neubeginn zu bieten. Zum Teil bekommt man im Tierheim sogar Rassetiere guter Abstammung. So spricht zunächst überhaupt nichts gegen die Adoption eines Tierheimtieres. Doch auch hier heißt es aufzupassen. Tierheimbewohner können auf den ersten Blick sehr umgänglich erscheinen. Einige entpuppen sich aber im Nachhinein als aggressiv oder überängstlich, da sie schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit gesammelt haben, die erst in bestimmten Situationen unerwünschtes Verhalten auslösen. Trennungsängste durch Verlust des vorigen Besitzers sind ebenfalls recht häufig. Die so vorgeprägten Tiere müssen zunächst wieder Vertrauen in die Menschen gewinnen. Freilich gibt es auch viele Hunde und Katzen in Tierheimen, die keinerlei Verhaltensprobleme haben.

 

Gut vorbereitet meistern Mensch und Tier die Umstellung

 

Auf den „Notfall“ sollte man sich insofern vorbereiten, dass man zumindest theoretisch weiß, wie die brenzlige Situation weitgehend stressfrei für Mensch und Tier gemeistert werden kann. Für Tierheimhunde- und Katzen ist es manchmal besser, schon Erfahrungen in der Tierhaltung zu besitzen. Genügend Geduld wird ohnehin vorausgesetzt. Selbstverständlich kann man sich Hilfe bei einem Tiertrainer oder Tierpsychologen holen oder sich in der umfangreichen Literatur zum Thema belesen. Hunde- Anfängern sei der Besuch einer guten Hundeschule mit dem neuen Hund empfohlen, falls Probleme auftauchen.

 

Besonders bei Hunden ist es möglich, sich den potenziellen neuen Hausgenossen zunächst einmal zu einigen Spaziergängen vom Tierheim abzuholen. Dabei kann das Verhalten des Hundes in verschiedenen Situationen beobachtet werden. Schrittweise ist eine Gewöhnung an Neues möglich und nach einigen Versuchen kann man besser einschätzen, ob der oder die Auserwählte sich im neuen Heim wohl fühlen wird und die Menschen den Umgang mit ihr/ihm bewältigen. Beobachten Sie Ihren neuen Kameraden gut, denn aus seinem Verhalten können Sie häufig ablesen, worin ihm Sicherheit fehlt, die zu Abwehrverhalten führen kann.

 

Diese schrittweise Vorgehensweise ist auf jeden Fall einer vorschnellen Entscheidung für ein Tier vorzuziehen, das dann vielleicht nach der ersten Enttäuschung wieder im Tierheim abgeliefert wird. Ständige Wechsel der Besitzer verunsichern ein Tier sehr und können sich für sein Leben lang traumatisch auswirken. Viele Tierheime handhaben die Abgabe eines Tieres sehr vernünftig und stellen einige Bedingungen an die neuen Besitzer. Sie kontrollieren auch deren Einhaltung und vereinbaren teilweise sogar eine Probezeit. Das sind ideale Voraussetzungen dafür, dass das Tier am Ende wirklich einen guten und dauerhaften Platz bekommt und die neuen Besitzer mit ihm glücklich werden. Davon einmal abgesehen, kann es auch beim Kauf eines Jungtieres oder erwachsenen Tieres aus Privat- oder Züchterhand zu Umstellungsschwierigkeiten kommen.

 

Von „Schwarzen Schafen“

 

Wenn Sie sich im Tierheim oder in einer Notfallstation ernsthaft um einen neuen Vierbeiner bemühen, schauen Sie sich auch dort gründlich um. "Schwarze Schafe" gibt es überall, sowohl unter Züchtern, unter Tierhaltern, als auch unter Notfallstationen. Es soll vorkommen, dass so genannte Notaufnahmen mit einer großen Anzahl Würfe verschiedenster Hunde- und Katzenrassen aufwarten können. Vorsicht! Das ist Etikettenschwindel. Hier versuchen Massenzüchter Ihr Mitleid zu erregen und geben bewusst geplante Verpaarungen als Nottiere aus. Mit diesen Tieren werden Sie keine Freude haben, da es meist an den Grundvoraussetzungen für ein glückliches Leben fehlt: menschliche Zuwendung, Sozialisierung, (erb)gesunde, parasitenfreie Elterntiere, medizinische Versorgung und einwandfreie Aufzuchtverhältnisse. Niemand kontrolliert diese „Vermehrung“ und daher werden oft nicht einmal die Mindeststandards eingehalten.

 

Kaufen Sie nie ein Tier aus Mitleid! Sie erlösen zwar ein Tier von seinem traurigen Schicksal, aber im Grunde schaffen Sie nur einen freien Platz für die nächste Generation dieser bemitleidenswerten Geschöpfe. Vermehrer zählen auf Ihr Mitleid. Zeigen Sie lieber unhaltbare Zustände an, statt sie zu unterstützen.

Fazit: An einem Tierheimtier können Sie genauso viel Freude haben, wie an einem Tier vom Züchter. Sie sollten darauf gefasst sein, dass es zu Anpassungsschwierigkeiten kommen kann. Das ist aber kein Grund, sich sofort wieder von dem Tier zu trennen. Im Gegenteil. Wer sich ein Tier aus dem Tierheim holt, sollte ganz bewusst mit Anfangsproblemen rechnen. Umso besser, wenn diese nicht eintreten. Falls doch, dann muss klar sein, dass der Weg zu einer professionellen Hilfe (Hundeschule, Tiertrainer, Tierpsychologe) führt, um alles zu versuchen, dem Tier zu einem schönen, würdigen und angstfreien Leben zu verhelfen. Das wird in fast allen Fällen gut gelingen.

 

Zuchtverband = Zuchtverband?

 

Zuchtverbände gibt es in Deutschland in Hülle und Fülle, für alle Tierarten und Rassen. Entsprechend ihrer Finanzkraft, die wiederum von der Anzahl ihrer Mitglieder abhängt, unterscheiden sie sich zum Teil stark voneinander. Die Arbeit des Zuchtverbandes beeinflusst letztlich entscheidend die Qualität jedes einzelnen gezüchteten Tieres. Daher sollen die Strukturen und Arbeitsweisen von Zuchtverbänden hier etwas näher betrachtet werden.

 

Die Struktur von Zuchtverbänden

Zuchtverbände sind überregionale Organisationen, die sich die Zucht, Förderung und Erhaltung einer Tierart zur Aufgabe gestellt haben. Die Zuchtverbände betreuen meist mehrere Rassen einer Tierart. Es gibt außerdem spezialisierte Zuchtverbände, die sich nur einer einzigen Rasse widmen. Teilweise unterstehen diese kleineren Verbände wieder größeren Dachverbänden.

 

Beispiel: Eine der größten Weltverbände für die Rassehundezucht ist die Federation Cynologique Internationale (FCI) in Belgien. Dort sind Rassestandards von über 300 Hunderassen hinterlegt. Die Mitgliedsländer erkennen die Ahnentafeln der Hunde untereinander an und richten sich nach den gemeinsamen Rassestandards. Die Zuchtrichter, also Fachleute zur Beurteilung der Tiere auf Ausstellungen und Zuchtprüfungen, werden nach ähnlichen Standards ausgebildet. Für die Aufnahme in die FCI müssen die Zuchtverbände in den Ländern strenge Kriterien hinsichtlich ihres Zuchtreglements erfüllen.

In Deutschland ist der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) Mitglied der FCI. Er betreut als deutscher Dachverband 160 Rassezuchtverbände und Hundesportvereine. Stellvertretend sei der Klub für Terrier e.V. genannt. Der Klub für Terrier führt das Zuchtbuch für 29 Terrierrassen und betreut die Terrierzüchter in allen züchterischen Belangen.

 

Um Ansprechpartner vor Ort zu haben, bilden die Dachverbände und Klubs regionale Vereine bzw. Ortsgruppen. Diese betreuen die Züchter vor Ort, führen Kontrollen durch, informieren in Versammlungen über Zuchtplanung und Zuchtprobleme und organisieren Zuchtveranstaltungen. Im Klub für Terrier gibt es in den Bundesländer jeweils eine Landesgruppe des KfT, der die einzelnen Ortsgruppen und Hundesportvereine unterstehen.

Viele, aber nicht alle Zuchtverbände haben diese stark hierarchischen Strukturen über mehrere Ebenen verteilt. Einige bestehen auch völlig unabhängig von größeren Dachorganisationen.

 

Vor- und Nachteile kleiner und großer Zuchtverbände

 

Es ist einleuchtend, dass ein finanziell starker, medienwirksamer Dachverband insgesamt mehr bewirken kann, als ein kleiner Verband mit wenigen Züchtern. Große, bekannte Zuchtverbände haben die Möglichkeit potenzielle Tierkäufer zu informieren und über ihr öffentliches Wirken die Meinung der Allgemeinheit zur Tierhaltung positiv zu beeinflussen. So werden zum Beispiel große Ausstellungen und Leistungsschauen mit Rahmenprogramm organisiert, auf denen Interessenten zum Teil hunderte oder tausende Tiere im Vergleich sehen können.

Forschungsprojekte zur Genetik, Verhaltensweisen und Erbkrankheiten können gefördert werden. Große Zuchtverbände finanzieren die Ausbildung von Fachkräften, wie z.B. Zuchtrichtern und Zuchtwarten flächendeckend. Dieses Fachpersonal kann durch Beratung und Kontrolle mehr für eine Rasse tun, als ein noch so guter Tierarzt, der aber die rassespezifischen Besonderheiten und Zuchtprobleme nicht kennt. (Tierärzte werden von kleinen Verbänden oft als Kontrollorgane herangezogen.) Manche Vereine verzichten ganz auf eine Kontrolle der Zucht und des Nachwuchses beim Züchter vor Ort. Die Ahnentafeln bzw. Stammbäume werden dann vom Züchter per Telefon oder Fax bestellt. Auf diese Weise sind Kontrolle und Beratung freilich sehr schwierig und geben dem Käufer keine wirkliche Sicherheit darin, was er erwirbt.

 

Ein weiterer Vorteil großer Zuchtverbände: Durch die Menge der betreuten Tiere steht eine sehr breite Zuchtbasis zur Verfügung. Das wirkt sich günstig auf die Gesundheit der einzelnen Tiere aus, da man die Möglichkeit hat, die Nachteile einer fortwährenden Inzucht zu vermeiden. Die kleineren Organisationen können diesen Nachteil wettmachen, in dem sie ihre Zuchtbücher für Tiere aus anderen Verbänden öffnen. Damit sind sie freilich ein Stück weit von diesen abhängig. Natürlich sind kleine Verbände flexibler, spezialisierter und können bei geschickter Organisation sehr wohl günstig auf die Entwicklung einer Rasse einwirken.

Fazit: Fragen Sie den Züchter, in welcher Form sein Zuchtverband etwas zur Förderung der Rasse tut. Lassen Sie sich ruhig Unterlagen zur Zucht, zu Zuchtprüfungen, Ausstellungen und evt. auch Kontrollprotokolle für die Zuchtstätte zeigen. So können Sie auch als Laie beurteilen, ob der betreuende Klub oder Verband seinen Aufgaben gerecht wird. Im Internet präsentieren sich zahlreiche Zuchtverbände und regionale Vereine. Meist kann man die Zuchtregeln nachlesen. Das ist sehr aufschlussreich für eine Beurteilung des wirklichen Wertes von Abstammungspapieren.

 

Fragen Sie auch, wie viel Konkurrenz es im Zuchtverband gibt. Ein dritter Platz unter 30 Teilnehmern einer regionalen Zuchtschau ist immer noch mehr wert, als ein toller "Weltsiegertitel" ohne weitere Teilnehmer. Konkurrenz fördert eine breitere Zuchtbasis und eine Verbesserung der Qualität der Rasse.

Man kann nicht pauschal behaupten, dass große Verbände immer im Vorteil sind. Die Zuchtregeln, Kontrollen und Zuchtmaßnahmen beeinflussen die Qualität der Tiere und der Aufzuchtbedingungen. Und da lohnt es sich für Sie genau hinzuschauen.

 

Was wünschen sich gute Züchter vom Käufer ihrer Jungtiere?

 

Bevor Sie als potenzieller Tierkäufer dieses Kapitel lesen, empfehle ich Ihnen den Artikel "Mit oder ohne Papiere". Sie werden danach den vorliegenden Abschnitt mit anderen Augen lesen und verstehen, warum ernst zu nehmende Züchter gewisse Ansprüche an ihre Käufer stellen.

Züchter möchten einen guten und dauerhaft sicheren Platz für ihren Nachwuchs bei zuverlässigen Leuten finden. Den wenigsten, die ihre Jungtiere mit viel Liebe und Enthusiasmus aufgezogen haben, ist der Verbleib der Jungtiere gleichgültig. Daher wird Sie jeder gute Züchter fragen, wie Sie das neue tierische Familienmitglied halten werden, wie lange es am Tage allein bleiben muss, wo es seinen Platz findet, was Sie füttern werden, ob ein Grundstück als Auslauf dienen kann, was im Urlaub geschieht etc.. (Die Fragen variieren natürlich- je nach Tierart). Sie werden also auf Herz und Nieren geprüft, denn der Züchter trägt die Verantwortung für eine optimale Platzierung des Nachwuchses. Daran desinteressierte Züchter sollten bei Ihnen eine Alarmglocke auslösen, egal, ob der betreffende Züchter einem Klub angehört oder nicht. Notfalls wird ihnen ein guter Züchter auch vom Kauf abraten, wenn ermeint, dass Ihre Haltungsvoraussetzungen nicht stimmen.

 

"In" beim Tierkauf

 

Informieren Sie sich beim Züchter zunächst detailliert über die gezüchtete Rasse und über seine Tiere im Speziellen. Vorkenntnisse können dabei nicht schaden, denn diese zeigen, dass Sie einen wohl überlegten Kauf planen. Neben dem üblichen Telefonat eignen sich Ausstellungen bestens um Kontakt zu Züchtern aufzunehmen. Dort treffen Sie auch die Züchter, die um den Fortschritt der Rasse und um die Erhaltung der guten Eigenschaften bemüht sind.

 

Bei einem ersten Züchter- Besuch können Sie sich gegenseitig besser kennen und einschätzen lernen. Das ist besser, als ein sofortiger Spontankauf. Er bietet Ihnen zudem die Möglichkeit, die Schilderungen des Züchters vor Ort zu überprüfen. Fragen Sie also, ob ein unverbindlicher Besuch möglich ist. Gute Züchter werden soviel Interesse sehr positiv werten und sich Zeit mit Ihnen nehmen. Das ist die Sache auf jeden Fall wert, denn Sie wollen sich ja keinen Fernseher, sondern ein Familienmitglied für viele Jahre Ihres Lebens zulegen. Wenn Sie also schon wochenlang die Datenblätter der neusten Fernsehgeräte studieren, sollten Sie für ein neues Familienmitglied zumindest den doppelten Aufwand betreiben.

 

Vielleicht finden Sie "Ihren" Züchter nicht im ersten Anlauf. Wenn Sie einen geeigneten Züchter gefunden haben, fragen Sie ihn, wann wieder Nachwuchs geplant ist und ob evt. eine Warteliste besteht. Wenn Sie von der Zuchtstätte überzeugt sind, lohnt es sich, einige Monate zu warten, statt beim nächsten sofort erhältlichen Angebot zuzugreifen.

 

Beantworten Sie die Fragen des Züchters nach Ihren Haltungsbedingungen offen und ehrlich.

 

• Haben Sie genügend Zeit für das Tier?

• Wie lange muss es allein zu Hause bleiben (6 Stunden gelten als Grenzwert für sozial eng an den Menschen gebundene Tiere wie Rassekatzen und Hunde.)

• Haben Sie auch auf Dauer Lust, sich um Pflege, Haltung, Ernährung, Beschäftigung und Erziehung des Tieres zu kümmern?

• Ist eine Möglichkeit vorhanden, das Tier im Urlaub unterzubringen oder betreuen zu lassen, falls eine Reise mit dem Tier nicht möglich ist?

• Befürworten Ihre Familienmitglieder die Anschaffung eines Haustieres ebenfalls? • Sind Allergien gegen Tierhaare oder andere Allergien in Ihrer Familie bekannt, so dass eine Abklärung wichtig wäre?

• Können Sie Ihr Grundstück ggf. ausbruchsicher einzäunen?

• Sind in Ihrer Wohnung laut Mietvertrag Tiere erlaubt?

• Ist eine Zustimmung des Vermieters oder der Nachbarn einzuholen?

• Lässt Ihre berufliche Entwicklung auch auf lange Sicht genügend Zeit für ein Tier?

• Können Sie die Kosten für ein Tier aufbringen? Diese umfassen Ernährung, Pflege (Hundefriseur), Unterbringung im Urlaub (Tierpension), Steuern und Versicherungen, Anschaffung von Tierbedarf, bauliche Veränderungen für das Tier, Gesundheitsvorsorge (Impfungen, Entwurmungen, prophylaktische Behandlungen, Tierarztbehandlungen im Krankheitsfall und evt. sogar Operationen)?

• Sind Sondergenehmigungen einzuholen und außerordentliche Haltungsbedingungen zu schaffen? (Exotische Tiere)

Ein gewissenhafter Züchter wird Ihnen diese Fragen ohnehin stellen. Sie können sich im eigenen Interesse schon selbst vorher kritisch prüfen.

 

"Out" beim Tierkauf

 

Es gibt Kauf- Interessenten, die am Telefon zuerst nach dem Preis des Tieres fragen. Meistens nennen sie kaum ihren Namen, geschweige denn, dass sie sich erkundigen, ob überhaupt noch ein Tier zu haben ist und ob sie eins bekommen würden. In die gleiche Kategorie fallen alle, die ohne oder mit neutraler Überschrift ein „Rundschreiben“ per Email an sämtliche im Internet auffindbare Züchter senden, um den günstigsten zu finden. Das erinnert den Züchter an den lieblosen Kauf eines Gebrauchsgegenstandes. Unweigerlich lässt das schlechte Gefühle in ihm hochkommen. Wahrscheinlich fragen diese Leute dann auch zuerst nach dem Preis, wenn es um tierärztliche Behandlungen oder andere Haltungskosten geht, die das Tier in Zukunft verursachen wird und sparen vielleicht wichtige Dinge einfach ein.

Ganz davon abgesehen, dass die Preislistenjäger "Äpfel mit Birnen" vergleichen. Sie verschwenden keinen einzigen Gedanken daran, warum denn nun wirklich so erhebliche Preisunterschiede bei den verschiedenen Züchtern bestehen. Ihnen kommen freilich die Argumente des nächsten Schnäppchenanbieters gerade recht. Egal, was man da kauft, Hauptsache billig. Ich möchte damit keine Wucherpreise schön reden, aber Tiere aus guter Aufzucht müssen ihren Preis haben, anders ist eine Hobbyzucht nicht zu betreiben.

 

Um keine Missverständnisse aufkommen zulassen: Die Frage nach dem Preis ist in Ordnung und wird von jedem Züchter auch erwartet. Die Art und Weise ist entscheidend. Oder glaubt ein solcher Interessent tatsächlich, dass ein sorgsamer Züchter diesem ziemlich lieblosen Zeitgenossen gern seinen Nachwuchs überlässt?

Die meisten Züchter einer Rasse pegeln sich in einer Preislage ein, die nur geringfügig nach oben und unten schwankt und dann den Aufwendungen angemessen ist. Wer deutlich nach oben abweicht, sollte Ihnen einen plausiblen Grund nennen können. Fragen Sie einfach nach. Vielleicht war es eine teure Auslandsverpaarung oder andere Gründe sprechen dafür. Fragen Sie aber auch, warum jemand deutlich nach unten abweicht. Wohlgemerkt, ich rede hier nicht über +/- 100,- Euro, sondern über wesentlich größere Differenzen.

Billigpreise sind nur mit „Sparaufzucht“ möglich. Wenn die Grundversorgung mangelhaft ist, wird ihr Neuerwerb evt. an den Folgen leiden und Ihnen am Ende mehr Kosten verursachen, als ein Tier aus guter Zucht in der Anschaffung gekostet hätte.

 

Auch Interessenten, die kurzentschlossen ein Tier kaufen möchten, völlig gleich woher, Hauptsache sofort oder zu Weihnachten, Ostern etc., outen sich als unüberlegte und oberflächliche Zeitgenossen. Tiere richten sich nur nach einem Plan: Dem Plan der Natur. Sie folgen nicht Ihrem Terminkalender. Wenn Sie nach Ihrem Entschluss, sich ein Tier zuzulegen, keine 8 Wochen Geduld haben, bei einem guten Züchter zu warten, sollten Sie besser ganz auf ein Tier verzichten. Denn vermutlich wird Ihnen später auch für das Tier die Geduld fehlen.

 

Die Aufzählung ließe sich jetzt über ungeeignete Haltungsbedingungen, mangelnde Zeit und anderes fortsetzen.

 

Fazit: Wichtig ist, dass Sie dem Züchter gegenüber echtes Interesse an seiner Rasse und seinen Tieren offenbaren und ehrlich Ihre Haltungsbedingungen schildern. Die übrigen Fragen klären sich dann von allein in der richtigen Reihenfolge. Haben Sie Verständnis für seine Fragen, denn er vertraut Ihnen vielleicht ein kleines Lebewesen an, das diese Fürsorge verdient.

 

Checkliste Züchtersuche

 

Diese Checkliste stellt lediglich eine komprimierte Form der übrigen Artikel dar bzw. baut auf diesen auf. Daher empfehlen wir Ihnen, die anderen Tipps und Artikel zur Züchtersuche vorbereitend zu lesen.

 

Wodurch zeichnet sich ein guter Züchter aus?

 

• Der Züchter hält nicht mehr als ein bis zwei Rassen/Tierarten.

• Die Anzahl der gehaltenen Tieres sollte so begrenzt sein, dass die Züchterfamilie sich jedem einzelnen Tier noch individuell zuwenden kann.

• Gute Zuchtstätten haben nicht das ganze Jahr über Nachwuchs abzugeben. Die Fließbandmethode, bei der jede Woche Nachwuchs angeboten wird, ist gewerbliche (Massen)Zucht. Selbst wenn in solchen Zuchtanstalten zusätzliche Helfer/Tierpfleger herangezogen werden, bleibt keine Zeit für die individuelle Prägung des Nachwuchses. Fehlprägungen und gestörtes Sozialverhalten sind bei solchen Tieren an der Tagesordnung.

• Die Zuchtstätte bzw. die Aufzuchträume sind hell, geräumig, mit fließend Wasser ausgestattet und ggf. beheizbar (nicht für alle Tierarten nötig).

• Alle Räumlichkeiten sind hygienisch einwandfrei und sauber.

• Die Zuchtanlagen wurden arttypisch errichtet und bieten den Tieren genügend Freiraum.

• Der Züchter interessiert sich für die Haltungsbedingungen beim Käufer, rät ihm notfalls sogar vom Kauf ab, statt ihm ein Tier "aufzuschwatzen".

• Es gibt keine "Sonderangebote" oder Schnäppchen sondern Festpreise, der Qualität des Tieres entsprechend. Die Preise bewegen sich im Bereich anderer organisierter Züchter dieser Rasse. Gute Züchter haben sehr viele Auslagen, die durch den Kaufpreis eines Jungtieres oft gerade so abgedeckt werden. Wer noch viel Spielraum für Verhandlungen hat, spart entweder an der Aufzucht oder er hat eine große Menge von Tieren, wo es dann die Masse bringt. Leider kaufen Sie dann alle Nachteile eines Tieres

• Sie erhalten einen detaillierten Kaufvertrag.

• Der Züchter zeigt Ihnen seine Zuchtanlage und die Räumlichkeiten.

• Sie dürfen die Zuchtdokumente - Elterntiere, Jungtiere und Zuchtstätte betreffend - einsehen. Die Dokumente sind keine "Eigenproduktionen", sondern sichtbar echt.

• Der Züchter bemüht sich im die jeweils bestmögliche Verpaarung und kann Ihnen aufschlussreich erklären, warum er genau diese Verpaarung durchgeführt hat.

• Der Züchter kann Ihnen ohne Zögern Auskunft geben, was er für die Verbesserung der Qualität seiner Rasse unternimmt. Fahrten zu weit entfernten Vatertieren, Zukäufe aus anderen Linien, Importe von Tieren, Vermeidung von häufigen Wiederholungsverpaarungen (Verbesserung der genetischen Breite der Rasse) sollten selbstverständlich sein.

• Der Züchter kann Ihnen schlüssig Auskunft über Anatomie, Wesen und ggf. Zuchtprobleme der Rasse geben.

• Alle Tiere des Züchters verhalten sich ihm gegenüber vertrauensvoll.

• Die erwachsenen Tiere und die Jungtiere zeigen keine ausgeprägte Angst Fremden gegenüber. Eine gewisse Vorsicht oder Reserviertheit dürfen sowohl Muttertiere, als auch Welpen den Besuchern gegenüber haben. Die Charaktere sind unterschiedlich und es gibt durchaus noch Mütter, die einen ausgeprägten Beschützerinstinkt haben und sich nicht über jeden Fremden freuen, der ihre Kleinen anfasst. Deswegen sind sie nicht wesensschwach oder aggressiv! Die meisten Jungtiere sind unbekümmert und freuen sich über Besucher. Aber nicht alle bewegen sich sofort auf Fremde zu. Einige warten vorsichtig ab, müssen deswegen aber noch keine "Feiglinge" sein. Nur panisches Fluchtverhalten, Schreckhaftigkeit, ausgeprägte Angstanzeichen und übermäßige Unterwürfigkeit sollten Sie vom Kauf abhalten. Solche Tiere sind wesensschwach und werden es bleiben.

• Organisierte Züchter bieten nur Tiere mit Abstammungspapieren an. Wenn Sie zwischen "mit Papieren" und "ohne Papiere" wählen dürfen, hintergeht der Züchter die Bestimmungen seines Zuchtverbandes, der solche Optionen nicht vorsieht.

• Die Tiere sind eindeutig und unverwechselbar gekennzeichnet (Mikrochip, Täto- Nummer, Brandzeichen) und Sie erhalten einen dazu passenden Impfausweis und die Abstammungspapiere. Achten Sie auf Fälschungen oder Korrekturen in den Papieren.

• Gute Züchter drängen nicht auf eine Entscheidung, sondern bieten Ihnen Zeit zum Überlegen an.

• Ordentliche Züchter können auch keine Welpen auf Bestellung liefern. Züchter, die Ihnen zig Rassen binnen kürzester Frist auf Bestellung liefern, sind Tierhändler. Hier werden meistens Tiere aus dubiosen Auslandszuchten billig beschafft und teurer veräußert. Es geht dabei nicht um Tiere, sondern nur um Profit! Überflüssige, nicht absetzbare Tiere werden genauso schnell "beseitigt", wie sie beschafft wurden. Unterstützen Sie diese Geschäfte nicht durch einen Mitleidskauf. Sie schaffen durch die vermeintliche "Rettung" nur Platz für das nächste bemitleidenswerte Geschöpf.

• Alle Tiere des Züchters müssen gepflegt und gut genährt sein. Jede Art von Mangelerscheinungen (schwache Knochen, aufgetriebene Bäuche, Verklebungen im Fell, stumpfes Haar, Parasiten, stinkende Ausscheidungen, Durchfall etc.) weisen auf Erkrankungen oder schlechtes Futter hin. Kaufen Sie solche Tiere auf keinen Fall!

• Jungtiere und erwachsene Tiere des Züchters zeigen ein arttypisches Temperament und eine entsprechende Bewegungsfreudigkeit.

• Der Züchter ist gern bereit, Ihnen auch nach dem Kauf des Tieres immer mit Rat und Tat beiseite zu stehen.

 

Was wird ein guter Züchter von Ihnen wissen wollen?

 

• Haben Sie genügend Zeit für das Tier?

• Wie lange muss es allein zu Hause bleiben (6 Stunden gelten als Grenzwert für sozial eng an den Menschen gebundene Tiere wie Rassekatzen und Hunde.)

• Lassen Ihre berufliche Entwicklung und Ihre Familienplanung auch auf lange Sicht genügend Zeit für ein Tier?

• Haben Sie auf Dauer Lust, sich um Pflege, Haltung, Ernährung, Beschäftigung und Erziehung des Tieres zu kümmern?

• Ist eine Möglichkeit vorhanden, das Tier im Urlaub unterzubringen oder betreuen zu lassen, falls eine Reise mit dem Tier nicht möglich ist?

• Befürworten Ihre Familienmitglieder die Anschaffung eines Haustieres ebenfalls? • Sind Allergien gegen Tierhaare oder andere Allergien in Ihrer Familie bekannt, so dass eine Abklärung wichtig wäre?

• Können Sie Ihr Grundstück ggf. ausbruchsicher einzäunen?

• Sind in Ihrer Wohnung laut Mietvertrag Tiere erlaubt?

• Ist eine Zustimmung des Vermieters oder der Nachbarn einzuholen?

• Können Sie die Kosten für ein Tier aufbringen? Diese umfassen Ernährung, Pflege (Hundefriseur), Unterbringung im Urlaub (Tierpension), Steuern und Versicherungen, Anschaffung von Tierbedarf, bauliche Veränderungen für das Tier (Zwinger), Gesundheitsvorsorge (Impfungen, Entwurmungen, prophylaktische Behandlungen, Tierarztbehandlungen im Krankheitsfall und evt. sogar Operationen)?

• Sind Sondergenehmigungen einzuholen und außerordentliche Haltungsbedingungen zu schaffen? (Exotische Tiere)